In praxisnahen Intensivkursen vermittele ich den professionellen Umgang mit dem Open-Source-ECAD-Werkzeug KiCad zur durchgängigen Entwicklung elektronischer Baugruppen. KiCad ist ein freies Entwicklungswerkzeug für Schaltplan- und Leiterplattendesign, dessen Entwicklung in den frühen 1990er-Jahren durch Jean-Pierre Charras begann. Ursprünglich für Ausbildung und Forschung konzipiert, wird das Projekt heute von einer internationalen Entwicklergemeinschaft weiterentwickelt und von verschiedenen Organisationen unterstützt. In den letzten Jahren hat sich KiCad zu einem leistungsfähigen und weit verbreiteten Werkzeug für professionelles Leiterplattendesign entwickelt.

Ausgehend von den Grundlagen (Schaltplan, Symbol-/Footprint-Erstellung, Bibliotheksmanagement, Layout) werden auch fortgeschrittene Themen behandelt wie z. B. hierarchische Schaltpläne, Busse, erweiterte ERC/DRC-Strategien, Plug-ins/Content-Management, Austauschformate sowie die Vorbereitung eines Designs für Fertigung, Bestückung und kritische Reviews.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Transfer von Tool-Bedienung zu ingenieurmäßigem Leiterplatten-Design, insbesondere EMV-gerechtem Layout, Wellenwiderstand/Impedanzführung, Ground-Bounce und Power-Supply-Integrity.

Der Kurs ist praxisorientiert und interaktiv: Inhalte und Vertiefung richten sich – im Rahmen der Kursziele – auch nach den konkreten Fragestellungen und Wünschen der Teilnehmer (z. B. bestimmte Fertiger-Designregeln, spezielle Leiterplattenarten, typische EMV-Probleme, Bibliotheksorganisation im Team etc.).

Alle im Kurs verwendeten Werkzeuge sind Open Source.

Zielgruppe

  • Elektronikentwickler, Ingenieure, technische Projektleiter
  • Entwickler aus Forschung & Industrie, die KiCad professionell einsetzen wollen
  • Fortgeschrittene Anwender mit Grundkenntnissen, die ihr Wissen systematisch vertiefen möchten

Voraussetzungen

Grundkenntnisse der Elektronik und Schaltungstechnik. ECAD-Vorkenntnisse sind hilfreich, aber nicht erforderlich. Grundverständnis zu Layoutbegriffen (Layer, Pad, Via) vorteilhaft.

Lernziele

Die Teilnehmer sind nach dem erfolgreichen Kursabschluss in der Lage:

  • KiCad-Projekte professionell aufzusetzen (Workflow, Projektstruktur, Variantendenken)
  • Schaltpläne inkl. Busleitungen, Labels, hierarchischen Blättern konsistent aufzubauen
  • eigene Symbole, Footprints und Bibliotheken zu erstellen und zu pflegen
  • eine mehrlagige Leiterplatte fertigungs- und bestückungsgerecht zu entwerfen
  • EMV- / SI- / PI-Aspekte (Rückstrompfade, Entkopplung, Grounding, Impedanz) in konkrete Layoutregeln zu überführen
  • Daten für Fertigung/Bestückung sicher zu erzeugen (Gerber / Drill, Pick & Place, BOM etc.)
  • Designregeln (DRC / Constraints) und Designreviews strukturiert anzuwenden
  • technische und wirtschaftliche Randbedingungen (Strukturgrößen, Stückzahlen, Bestückungsvarianten) zu berücksichtigen

Inhalte (Auswahl)

Einstieg & Projektworkflow

  • Überblick KiCad-Toolchain und Arbeitsweise
  • Projektstruktur, Versionsmanagement-Ansatz (Best Practices)
  • Templates, Layer-Setups, globale Einstellungen
  • ERC / DRC-Philosophie: Fehler vermeiden statt suchen

Schaltplan-Engineering (Grundlagen → Fortgeschritten)

  • Schaltplanerstellung, Annotation, Netze, Labels
  • Regeln für robuste Schaltpläne (Lesbarkeit, Modularität, Review-Fähigkeit)
  • Busleitungen und Bus-Anbindung (Ein- / Ausleitungen, Bus-Labels)
  • hierarchische Schaltpläne (Sheets, Ports, globale vs. hierarchische Bezeichner)
  • Elektrische Prüfungen (ERC), strukturierte Fehlersuche

Bibliotheken & Datenbasis für Beschaffung

  • Symbolbibliotheken / Footprintbibliotheken: Aufbau, Pflege, Naming-Konventionen
  • Eigene Bauteile: Symbolerstellung, Footprint-Design (THT / SMD), Pin-/Pad-Definitionen
  • Datenbasis zur Beschaffung: Felder/Properties, Hersteller-/Distributor-PNs, BOM-Strategie (Einkauf, Varianten, Alternativteile)
  • Bibliotheksversionierung und Teamfähigkeit im Unternehmen

PCB-Layout – von Regeln zu professioneller Fertigungsfähigkeit

  • Board Setup, Net Classes, Constraint Management
  • Platzierungsstrategie: montagefreundliche Platzierung, thermische Aspekte, Bauteilhöhen / Keepouts, Trennung analog / digital / power
  • Routing-Strategien: kontrollierte Rückstromführung, empfindliche Netze, Differenzleitungen (Grundprinzipien), Via-Strategien, Stitching, Guarding

Multilayer & Lagenaufbau (Stack-up)

  • Stack-up-Logik (Signal / GND / PWR)
  • Bezugslagen und Rückstrompfade
  • sinnvolle Layeranzahl abhängig von: Signaldichte / Strukturgrößen, EMV-Randbedingungen, Kosten
  • Ableitung engineering rules aus dem Stack-up

EMV, Wellenwiderstand, Ground-Bounce, Power Integrity

  • EMV-Basics: Schleifenflächen, Rückstrom, Kopplungsmechanismen, Grounding-Strategien (einheitliche Masseführung, Avoid: ground splits ohne Konzept)
  • Wellenwiderstand / Impedanz: praxisorientiertes Verständnis
  • Ground-Bounce: Mechanismen, typische Fehlerbilder
  • Power-Supply-Integrity (PSI / PI): Entkopplungskonzepte (lokal/zentral), Kondensator-Auswahl, Placement, Via-Induktivität, robuste Versorgungsführung

Fertiger- / Bestückerregeln, Austauschformate, Datenexport

  • Designregeln aus Fertigung & Assembly: minimale Strukturgrößen, Bohrdurchmesser, Restringe / Lötstopp / Pastenmasken, Testbarkeit (ICT / Flying Probe)
  • Austauschformate: Gerber/Drill, ODB++, Pick & Place, BOM (strukturiert, einkaufsfähig)
  • 3D-Viewer, 3D-Modell-Export und mechanische Integration (STEP / VRML je nach Setup)

Automatisierung / Workflows: Jobsets

  • Ziel: reproduzierbarer Export und weniger Fehler bei Fertigungsdaten.
  • Einführung in KiCad Jobsets: definierte Export-Pipelines (Gerber/Drill, Positionsdaten, Zeichnungen, Reports), konsistente Datenstände für Reviews und Fertigerkommunikation, Dokumentations- und Release-Strategien (z. B. Release-Ordner je Revision)

Kritische Designreviews (Engineering Review Methodik / Stage-Gate-Prozesse)

  • Review-Checklisten: Funktionalität, Fertigbarkeit, EMV/PI-Risiken, Testbarkeit / Debuggability
  • Typische Showstopper aus der Praxis
  • Dokumentation und Revisionsstände

Praxisprojekte (durchgängig)

  • Entwicklung von Beispielbaugruppen (Schaltplan → Layout → Outputdaten)
  • Anwendung auf Wunschprojekt der Teilnehmer (wenn geeignet)
  • Abschluss: Review der Projekte und Lessons Learned

Optionale Vertiefungen (je nach Zeit / Teilnehmerwunsch)

  • KiCost (BOM-Kalkulation, Distributor-Integration): automatisierte Preis-/Verfügbarkeitsabschätzung aus der BOM, Vergleich von Alternativbauteilen und Stückzahl-Effekten, Einbindung in den Entwicklungsprozess (early cost estimation)
  • iBOM (Interactive BOM): interaktive Bestückungs-/Assembly-Unterstützung, Ausgabeformate und Übergabe an Fertigung/Prototyping, Nutzen für Debug/Bring-up und kleine Serien

Format

4-tägiger Intensivkurs; Mix aus Theorie, Demonstration, Übungen und durchgängigen Projekten. Hoher Praxisanteil mit gezielten Engineering-Reviews. Inhalte und Schwerpunktsetzung können teilweise an die Wünsche der Teilnehmer angepasst werden.

Kursunterlagen / Ergebnisse

  • Kursunterlagen als PDF
  • Checklisten für Designreviews
  • Muster-Projekt als Vorlage für eigene Entwicklungen

Werkzeuge

Neuste stable-Version von KiCad, unterstützende Tools zur Datenaufbereitung und Fertigungsvorbereitung.

 

Beispielagenda: 4-Tage KiCad-Intensivkurs

 

Tag 1

ZeitBlockInhalt
09:00–09:30 Einführung Vorstellung der Teilnehmer, Kursüberblick, Ziele, Vorstellung der KiCad-Toolchain, Entwicklungsworkflow
09:30–10:30 Projektworkflow Projektstruktur, Templates, Versionsmanagement, Arbeitsorganisation
10:30–10:45 Pause Kaffeepause
10:45–12:30 Schaltplan-Grundlagen Netze, Labels, Annotation, strukturierte Schaltplanerstellung
12:30–13:30 Mittagspause ---
13:30–15:00 Schaltplan-Engineering Busleitungen, hierarchische Schaltpläne, ERC-Prüfungen, robuste Schaltplanstruktur
15:00–15:15 Pause Kaffeepause
15:15–17:00 Praxisübung Erstellung eines vollständigen Schaltplans für eine Beispielbaugruppe

 

Tag 2

ZeitBlockInhalt
09:00–10:30 Bibliotheken Symbol- und Footprintbibliotheken, Naming-Konventionen, eigene Bauteile erstellen
10:30–10:45 Pause Kaffeepause
10:45–12:30 Bauteildaten & BOM Properties, Hersteller- und Distributor-Teilenummern, Variantenstrategien
12:30–13:30 Mittagspause ---
13:30–15:00 PCB-Layout Grundlagen Board Setup, Net Classes, Constraint Management
15:00–15:15 Pause Kaffeepause
15:15–17:00 Platzierung & Transfer Schaltplan → PCB, Platzierungsstrategien, funktionale Gruppierung

 

Tag 3

ZeitBlockInhalt
09:00–10:30 Routing Routingstrategien, Rückstromführung, Via-Strategien, Stitching
10:30–10:45 Pause Kaffeepause
10:45–12:30 Multilayer-Design Stack-up-Konzepte, Signal-, Power- und Groundlayer
12:30–13:30 Mittagspause ---
13:30–15:00 EMV / Signal Integrity Schleifenflächen, Impedanz, Ground-Bounce, Entkopplung
15:00–15:15 Pause Kaffeepause
15:15–17:00 Praxisübung Routing einer mehrlagigen Leiterplatte

 

Tag 4

ZeitBlockInhalt
09:00–10:30 Fertigung & Assembly Fertigungsregeln, Bestückbarkeit, Testbarkeit
10:30–10:45 Pause Kaffeepause
10:45–12:30 Datenexport Gerber/Drill, Pick & Place, BOM, 3D-Modelle
12:30–13:30 Mittagspause ---
13:30–14:45 Automatisierung Jobsets, reproduzierbare Exportpipelines, Release-Strukturen
14:45–15:00 Pause Kaffeepause
15:00–16:00 Designreviews Review-Checklisten, typische Layoutfehler, Stage-Gate-Prozesse
16:00–17:00 Abschlussprojekt Review der Beispielprojekte, Diskussion, Lessons Learned

 

Beispielagenda: 2-Tage KiCad-Umsteigerkurs von anderen ECADs

Tag 1

ZeitBlockInhalt
09:00–09:30 Einführung Vorstellung der Teilnehmer, Kursziele, Überblick über KiCad und typische Entwicklungsworkflows
09:30–10:30 Projektstruktur Aufbau eines KiCad-Projekts, Ordnerstruktur, Projektdateien, grundlegende Einstellungen, Versionsmanagement
10:30–10:45 Pause Kaffeepause
10:45–12:30 Schaltplan-Grundlagen Bauteile platzieren, Netze und Labels, Annotation, strukturierte Schaltplanerstellung
12:30–13:30 Mittagspause ---
13:30–14:45 Schaltplanorganisation Hierarchische Sheets, Busse, strukturierte Funktionsblöcke
14:45–15:00 Pause Kaffeepause
15:00–17:00 Praxisübung Erstellung eines vollständigen Schaltplans einer Beispielschaltung inkl. BOM

 

Tag 2

ZeitBlockInhalt
09:00–10:30 Bibliotheken Symbole und Footprints verstehen, Bibliotheksstruktur, eigene Bauteile erstellen
10:30–10:45 Pause Kaffeepause
10:45–12:30 PCB-Grundlagen Board Setup, Net Classes, Import des Schaltplans ins Layout
12:30–13:30 Mittagspause ---
13:30–14:45 Platzierung & Routing Bauteilplatzierung, manuelles Routing, Vias und Layerwechsel
14:45–15:00 Pause Kaffeepause
15:00–16:00 Fertigungsdaten Gerber/Drill-Export, Pick & Place Daten, grundlegende Designprüfung
16:00–17:00 Abschlussübung Fertigstellung einer einfachen Leiterplatte und Export der Fertigungsdaten

 

Dieses Kursangebot steht sowohl als Inhouse-Schulung als auch als KiCad-Kurs im Linuxhotel zur Verfügung (Details zu Terminen und Anmeldung finden sich direkt beim Veranstalter).